SCHWERPUNKT: Landwirtschafts- und Ernährungspolitik im Wahljahr

Mit Bio Wertschöpfung steigern und Nachhaltigkeitsziele erreichen

In 2016 entschieden sich jeden Tag etwa fünf Landwirte dafür, auf Bio umzustellen. Die Betriebsergebnisse der Öko-Bauern können sich, nicht nur in diesen Krisenzeiten der Landwirtschaft, sehen lassen. Gleichzeitig gelingt es Bio-Bauern, -Produzenten und -Händlern ökonomisch nachhaltig zu wirtschaften und gleichzeitig in der ökologischen und der sozialen Dimension zu punkten. Die hohe Bio-Qualität entlohnen immer mehr Kunden an der Ladenkasse. Gründe genug, auch die Ernährungs-, Wirtschafts- und Agrar-Politik konsequent entlang aller Dimensionen der Nachhaltigkeit auszurichten – nicht nur im Wahljahr 2017.

Deutschland verfügt über hervorragende Voraussetzungen für eine produktive, wettbewerbsfähige Land- und Lebensmittelwirtschaft: Gute Böden, ausreichend Niederschläge, eine hoch entwickelte Infrastruktur und – vor allem – einen seit Jahrhunderten durch Bildung, Forschung und Entwicklung starken Berufsstand sowie innovative Unternehmen im vor- und nachgelagerten Bereich. Dennoch steht die deutsche Agrar- und Ernährungswirtschaft vor großen Herausforderungen: Globale Marktverwerfungen schrumpfen die Preise für Milch, Fleisch und auch Obst auf Rekordtiefs, viele bäuerliche Familienbetriebe sind massiv unter Druck. Allein 2016 schlossen fast 5.000 Höfe ihre Tore – was für ein Verlust.

Unsere Verpflichtungen für den Schutz von Klima, Wasser und Biodiversität sowie die Ziele für die nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals) rufen nach Lösungen, die unserer Verantwortung für Mensch, Umwelt, Klima und Nutztiere gerecht werden und gleichzeitig eine Produktion mit guter Wertschöpfung ermöglichen.

Ökolandbau ist „Gold-Standard“ der Nachhaltigkeit. Die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln wächst seit Jahren stabil und stark, in 2016 stieg der Bio-Umsatz um fast 10 % (vgl. Kapitel 6). Zahlreiche Unternehmensgründungen machen den mittelständisch geprägten Bio-Sektor zu einer der Top-Wachstumsbranchen in Deutschland. Laut Umfragen kauft inzwischen etwa die Hälfte der Deutschen häufig oder gelegentlich Öko-Produkte – ein Ende des Bio-Booms ist nicht in Sicht. Wasserversorger sichern durch Kooperationen mit Öko-Landwirten erfolgreich die Qualität des Grundwassers, auf Öko-Flächen können beeindruckende Steigerungen der Biodiversität gemessen werden, Bio-Böden speichern sicher und kostengünstig das Klimagas CO2 und schützen wirksam vor Hochwasser. Fast nebenbei vitalisiert der beschäftigungsintensive und auf regionale Wertschöpfungsketten ausgerichtete Öko-Sektor erheblich den ländlichen Raum – in Deutschland aber auch in den Entwicklungsländern, wo stabile Einkommen zur Ernährungssicherung der Menschen beitragen, die damit nicht zur Flucht in andere Länder gezwungen sind.

Verschiedene europäische Staaten zeigten in den letzten Jahren, welche Fortschritte beim Umbau der Land- und Ernährungswirtschaft mit ambitionierter Politik möglich sind: So konnte zum Beispiel Frankreich allein im Jahr 2015 seine ökologisch bewirtschaftete Landwirtschaftsfläche um stattliche 23 % ausweiten. Die dänische Hauptstadt Kopenhagen hat nicht nur in allen öffentlichen Kantinen einen Bio-Anteil von 90 % kostenneutral realisieren können, die dadurch bedingte erhöhte Nachfrage trug dort zum Wachstum der Öko-Fläche um 34 % innerhalb von nur zwei Jahren bei.

Auch viele Bundesländer haben das Potenzial des Ökolandbaus erkannt und ambitionierte Programme zur Weiterentwicklung aufgelegt, von Bayern bis Schleswig-Holstein, von Thüringen bis Hessen. Auf Bundesebene initiierte Landwirtschaftsminister Christian Schmidt die Entwicklung einer „Zukunftsstrategie ökologischer Landbau“ (ZöL) und verankerte diese als eines der zentralen Konzepte seines Hauses in der neuen Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung. Das alles ist ein guter Anfang für eine Transformation, mehr aber auch nicht. Bio muss noch stärker in die Fläche, damit Bauern von ihren Produkten leben und Nachhaltigkeitsziele erreicht werden können.

Für eine erfolgreiche Zukunft und den nachhaltigen Umbau der Sektoren ist eine Kombination aus Maßnahmen der Ordnungs-, Forschungs-, Bildungs- und Förderpolitik erforderlich – angepackt werden muss hierbei mit dem großen Besteck; sektorenbestimmende Regeln wie die Europäische Agrarpolitik, das Düngerecht, Vorgaben zur Tierhaltung, zum Pflanzenschutz, zur Aus- und Ernährungsbildung müssen mit dem Ziel Nachhaltigkeit in allen Dimensionen umgebaut werden. Bio hat sich diesen Rahmen bereits vor Jahrzehnten gesetzt, Bio funktioniert und vor allem: Bio hat einen (heimischen) Markt. Kurz: Bio zeigt, wohin die Reise gehen muss – nicht nur im Wahljahr 2017.

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