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Höhere Erlöse und höhere Kosten

Entwicklung der Öko-Erzeugerpreise

Berlin, 14.02.2023. Die Bio-Bäuerinnen und -Bauern erhielten 2022 deutlich mehr Geld für die meisten Bio-Produkte. Das war auch nötig, denn gleichzeitig stiegen die Produktionskosten für viele Produkte in mindestens dem gleichen Umfang. Die Erzeugerpreissteigerungen waren aber möglich, denn zumindest am Jahresanfang – und auch schon 2021 – waren die meisten Bio-Produkte knapp. Im Jahresverlauf wechselte bei verschiedenen Produkten die Versorgung jedoch von knapp auf reichlich.

Die Erzeugerpreise blieben im Laufe des Jahres auf hohem Niveau weitgehend stabil. Das ist auch den im Bio-Bereich größtenteils langfristigen Verträgen zu verdanken, die bis zu zehn Jahre laufen. Preise für konventionelle Waren veränderten sich massiv. Dies ist unter anderem mit der höheren Abhängigkeit von fossilen Energieträgern sowie hohen Düngemittelimporten aus Russland begründet. Kürzere Wege bei Lieferketten und keine Abhängigkeit von teurem und schwer verfügbarem Stickstoffmineraldünger beim Bio-Anbau sorgen für eine Stabilität des Bio-Marktes und vor allem für eine deutliche Angleichung der Bio- und konventionellen Lebensmittelpreise.

Massive Erhöhungen der konventionellen Milchpreise und weniger starke Erhöhungen bei Bio-Milch ließen den Preisabstand im August und September 2022 auf nur noch gut 2 ct/kg sinken. Ab Oktober vergrößerte sich der Abstand geringfügig, da einige Molkereien bei Bio-Milch im Winter Saisonaufschläge zahlen. Bio-Milch kostete im Oktober 2022 gut 62 ct/kg, fast 12 ct/kg mehr als vor einem Jahr. Der konventionelle Milchpreis stieg aufgrund eines äußerst knapp versorgten deutschen und weltweiten Marktes um 22 ct/kg auf 59 ct/kg an. Dies ist ein bisher nie dagewesener Anstieg, der erstmals eine kostendeckende konventionelle Erzeugung ermöglichte.

Beim Getreide überholten die massiven Preiserhöhungen am konventionellen Markt im Frühjahr 2022 zeitweise die Bio-Preise. Bei Weizen lagen sie kurzzeitig gleichauf. Dann kam eine insgesamt mittelgroße Bio-Ernte vom Acker mit deutlichen Einbußen bei den Sommerungen. Mit der Ernte stiegen die Bio-Preise bei Futtergetreide, aber auch bei Brotweizen und stabilisierten sich schließlich im Herbst. Die Preise für heimische Bio-Leguminosen lagen mit mehr als 600 EUR/t rund 150 EUR/t und damit 30 Prozent über den Vorjahreswerten.


Das führt dazu, dass die Bio-Mischfutterpreise zwar in der Ernte etwas günstiger waren, sich aber danach auf einem Niveau um 650 EUR/t für Schweinemast- und Milchleistungsfutter einpendelten. Legehennenfutter, bei dem der Eiweißgehalt über den anderen beiden Tierarten liegt, lag bei rund 750 EUR/t. Nach Einschätzungen der Futtermühlen dürften sich diese Preisniveaus noch eine Weile halten, selbst wenn die Nachfrage nach Mischfutter aufgrund geringerer Legehennenbestände abnimmt.

Bio-Kartoffeln kosten in der Saison 2022 /23 rund 5 ct/kg weniger als in der Saison zuvor, und das obwohl die konventionellen Kartoffeln nach Ernteverlusten deutlich teurer verkauft werden als zuvor.


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Illustrationen & Charts: Pötting Information Design