Bio-Produkte erkennt man eindeutig durch die Kennzeichnung mit „Bio“ oder „Öko“, das auf verpackten
Bio-Produkten mit EU-Herkunft verpflichtend zu verwendende EU-Bio-Logo und die Angabe der Öko-Kontrollstelle. Diese Hinweise finden sich auf dem Etikett, der Verpackung oder bei loser Ware – wie Obst und Gemüse – an der Kiste bzw. am Regal. Seit 1991 ist durch ein EU-Gesetz detailliert vorgeschrieben, welche Produkte als Bio-Produkte bezeichnet werden dürfen, wie deren Kennzeichnung aussehen darf und welche Angaben auf dem Etikett eines Bio-Produktes stehen müssen. Gegen missbräuchliche Verwendung der Bio-Kennzeichnung gehen die Behörden vor und verhängen Geldbußen oder sogar Gefängnisstrafen.

Das Bio-Logo der Europäischen Union

Die EU-Öko-Verordnungen 834/2007 und 889/2008 regeln die Kennzeichnung von Bio-Produkten [1]. Sie erlauben die gleichsinnige Verwendung der Begriffe „biologisch“ bzw. „ökologisch“ einzig für die Lebensmittel, die nach den Vorgaben der Verordnungen erzeugt und verarbeitet und deren Hersteller entsprechend kontrolliert wurden. Der Schutz der Verordnung geht jedoch deutlich darüber hinaus: Er umfasst alle Bezeichnungen, die den Eindruck vermitteln, dass das Erzeugnis ein Bio-Erzeugnis ist. Häufig, aber nicht immer, enthält bereits die Verkehrsbezeichnung eines Bio-Lebensmittels den  Bestandteil „Bio“ oder „Öko“. So stellen sich Bio-Lebensmittel dem Verbraucher als „Bio-Apfelsaft“, „Öko-Kartoffeln“ oder „Bio-Haferflocken“ vor. Auch mit der Angabe „aus ökologischer Landwirtschaft“ oder „aus biologischer Landwirtschaft“ kann angegeben werden, dass es sich um ein Bio-Produkt handelt. In jedem Fall muss in der Zutatenliste des Produktes angegeben werden, welche Zutat biologisch erzeugt wurde, z. B. durch Sternchen an der jeweiligen Zutat. Ein Lebensmittel darf dann als „Bio“ oder „Öko“ bezeichnet werden, wenn mindestens 95 % seiner landwirtschaftlichen Zutaten aus ökologischer Erzeugung stammen (» Frage 14).
Ein verpflichtendes Element auf dem Etikett jedes Bio-Produktes ist die Angabe der Öko-Kontrollstelle, die das erzeugende bzw. verarbeitende  Unternehmen auf Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben für die Bio-Landwirtschaft und -Verarbeitung geprüft hat. Bei loser Ware steht diese Angabe in den Warenbegleitpapieren; der Kunde kann im Laden die Mitarbeiter des Handelsunternehmens danach fragen. Die Codes der Öko-Kontrollstellen in sämtlichen EU-Ländern sind nach einem einheitlichen Muster aufgebaut. Für in Deutschland ansässige Kontrollstellen lautet die Angabe beispielsweise „DE-ÖKO-002“, wobei „DE“ für Deutschland steht, „ÖKO“ bzw. in anderen Ländern eine Abkürzung mit entsprechender Bedeutung den Hinweis auf die Herkunft der Produktes aus der Öko-Landwirtschaft anzeigt und „002“ bzw. eine andere dreistellige Zahl die Kontrollstelle. Diese Nummer wird von den überwachenden Behörden an die jeweilige Kontrollstelle vergeben. Die Artikel 23 bis 26 in der EU-Verordnung Nr. 834/2007 und Artikel 57 bis 62 in der EU-Verordnung Nr. 889/2008 geben die Regeln für die verordnungskonforme Kennzeichnung der Bio-Lebensmittel vor.
Für den besonders kritischen oder neugierigen Verbraucher besteht die Möglichkeit zu voller Transparenz: In einer Liste der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung [2] kann man nachsehen, wo die genannte Öko-Kontrollstelle ihren Sitz hat, und sich bei dieser Kontrollstelle erkundigen, ob der Hersteller oder In-Verkehr-Bringer des Bio-Produktes kontrolliert wurde und gesetzeskonform arbeitet. Die Angabe der Öko-Kontrollstelle auf dem Produkt erleichtert allen Marktbeteiligten das Rückverfolgen der Produktherkunft.
Die in den Jahren 2007 und 2008 komplett revidierten Bio-Verordnungen der EU legen für alle in den Mitgliedsstaaten der EU erzeugten oder verarbeiteten Bio-Lebensmittel fest, dass sie das Bio-Logo der Europäischen Union tragen müssen, ein in hellgrünem Farbton gehaltenes, liegendes Rechteck mit einer aus den EU-Sternen gebildeten Silhouette eines Blattes in Weiß (siehe Abbildung). Bio-Produkte aus Nicht-EU-Ländern können, müssen aber nicht das Bio-Logo der EU tragen. Umstellungsprodukte dürfen es nicht tragen. Produkte mit weniger als 95 %, aber mehr als 50 % der landwirtschaftlichen Zutaten aus Bio-Produktion dürfen zwar in der Zutatenliste die Bio-Qualität ausweisen, aber keine Bio-Verkehrsbezeichnung tragen und nicht das EU-Bio-Siegel verwenden.
Wird das EU-Bio-Logo benutzt, so ist es Pflicht, dass eine geografische Herkunftsangabe der Zutaten gemacht wird: „EU-Landwirtschaft“, sofern mindestens 98 % der landwirtschaftlichen Zutaten aus der EU stammen, „Nicht-EU-Landwirtschaft“ für solche Produkte, deren geografische Herkunft zu mindestens 98 % in Nicht-EU-Ländern liegt und die Angabe „EU-/Nicht-EU-Landwirtschaft“ für alle anderen Produkte. Es ist vorgeschrieben, dass dieser Hinweis direkt unter der Angabe der Kontrollstelle erfolgt und im selben Sichtfeld wie das EU-Bio-Logo. Auch der Bezug auf ein bestimmtes Herkunftsland ist zulässig, wenn mindestens 98 % der landwirtschaftlichen Zutaten aus diesem Land stammen.

Bio-Siegel und Verbandszeichen

Eine einfache Orientierung bietet dem Verbraucher in Deutschland das deutsche sechseckige Bio-Siegel (siehe Abbildung). Im Jahr 2002 wurde dieses Zeichen vom Verbraucherschutzministerium geschaffen und kann seitdem für alle Bio-Produkte verwendet werden, die „gemäß EG-Öko-Verordnung“ erzeugt, verarbeitet oder in die EU importiert worden sind. Im Internet kann man nachschauen, ob das Herstellerunternehmen seiner Registrierungspflicht nachgekommen ist [3]. Das Siegel steht gemäß den
EU-Gesetzen allen Verwendern offen, die Bio-Produkte vermarkten; es ist nicht für deutsche Erzeuger oder Verarbeiter reserviert.
Die Verbandszeichen von Bio-Landbau-Organisationen (siehe Abbildung) sind keine Hersteller- oder Handelsmarken, sondern gehören Bio-Landwirte-Verbänden. Sie dürfen nach Abschluss entsprechender Verträge bei der Kennzeichnung verwendet werden, wenn der Erzeuger, Verarbeiter oder In-Verkehr-Bringer des Produktes die Richtlinien der jeweiligen Bio-Landbau-Organisation einhält. Die Bio-Bauern-Organisationen, die die Produzenten und Hersteller zertifizieren, hatten sich lange vor Erlass der
EU-Verordnung Regeln für ihre Arbeit gegeben, deren Einhaltung durch ein Vertrags- und Überprüfungssystem gewährleistet wird. Diese Regeln sind in mancher Hinsicht weitergehend als die EU-Gesetze über den Öko-Landbau (á Frage 3). Die Zeichen finden sich häufig zusätzlich zur Marke des Hersteller- oder Handelsunternehmens auf Bio-Produkten. Über die Adressen der Bio-Organisationen informiert z. B. die Stiftung Ökologie & Landbau [4], die IFOAM (International Federation of Organic Agricultural Movements) [5] oder der BÖLW (Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft) [6].

Das deutsche Bio-Siegel und das EU-Bio-Logo (oben links) erleichtern das Erkennen von Bio-Produkten, die gemäß der EU-Öko-Verordnung erzeugt wurden. Bio-Lebensmittel, die nach strengeren Standards der Verbände erzeugt wurden, erkennt man an deren Warenzeichen.
Das deutsche Bio-Siegel und das EU-Bio-Logo (oben links) erleichtern das Erkennen von Bio-Produkten, die gemäß der EU-Öko-Verordnung erzeugt wurden. Bio-Lebensmittel, die nach strengeren Standards der Verbände erzeugt wurden, erkennt man an deren Warenzeichen.

Hersteller- und Handelsmarken

Die Marke, unter der Hersteller ihre Bio-Produkte vermarkten, ist von der Produkt- oder Verkehrsbezeichnung auf einer Packung zu unterscheiden, wie beispielsweise "Rapunzel" oder "Lebensbaum". Marken von Unternehmen, die ausschließlich Bio-Produkte anbieten, geben dem Verbraucher eine klare und einfache Orientierung am Markt. Neben den Marken der Hersteller führen praktisch alle filialisierten Lebensmittelhandelsunternehmen in Deutschland Bio-Produkte unter eigener Marke: Rewe-Bio, BioBio (Netto), Edeka-Bio, um nur einige zu nennen. Meist enthält die Marke den Namensbestandteil "Bio".

Missbräuchliche und irreführende Kennzeichnung

Gibt es auch "scheinbare" Bio-Produkte, die das in Wirklichkeit nicht sind? Das ist in der Zwischenzeit weitgehend ausgeschlossen. In der Vergangenheit war nicht immer klar, dass der "Bio"-Bestandteil in einer Marke für ein echtes Bio-Produkt steht; es war bis zum 1.6. 2006 möglich, dass Besitzer alter Marken mit Namensbestandteil "Bio" diese auch für konventionell erzeugte Lebensmittel verwenden. Als Beispiel seien die "Bioghurt"-Joghurtkulturen genannt. Inzwischen ist auch diese Ausnahme verboten. Missbräuchliche Kennzeichnung kann beim Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten angezeigt werden und wird mit Geldbußen oder Freiheitsstrafen bestraft [7; 8]. Daneben gibt es Werbeaussagen oder Produktkennzeichnungen, die von Verbrauchern irrtümlich wie ein Bio-Hinweis verstanden werden können. Beispiele für solche Aussagen sind "aus umweltschonendem Landbau", "aus integrierter Landwirtschaft", "aus kontrolliertem Anbau". Hier lohnt es, genauer hinzuschauen und zu prüfen, ob die anderen, oben genannten Merkmale auf dem Produkt zu finden sind. Nur dann ist es ein Bio-Produkt.

Quellen, weiterführende Literatur und Links:

[1] Verordnung der EU Nr. 834/2007 und Nr. 889/2008 über den ökologischen Landbau und die entsprechende Kennzeichnung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse und Lebensmittel. Aktuelle Fassung z.B. unter www.bmelv.de/SharedDocs/Standardartikel/Landwirtschaft/Oekolandbau/EG-Oeko-VerordnungFolgerecht.html

[2] Verzeichnis der zugelassenen Kontrollstellen, abrufbar unter www.ble.de/SharedDocs/Downloads/02_Kontrolle_Zulassung/10_Oekolandbau/ListeKontrollstellen.pdf

[3] Datenbank der registrierten Unternehmen, abrufbar unter www.bio-siegel.de>Anwender und Produkte>Produkt- und Unternehmens-Datenbank

[4] www.soel.de

[5] www.ifoam.org

[6]
www.boelw.de

[7]
Öko-Lanbaugesetz: Öko-Kennzeichengesetz in der Fassung vom 7. Dezember2008 (BGBl. I, Seite 2.358); abrufbar unter www.bmelv.de>Startseite>Service>Gesetze und Verordnungen

[8]
Öko-Kennzeichengesetz: Öko-Kennzeichengesetz in der Fassung der Bekanntmachung vom 20. Janar 2009 (BGBl. I, S. 78), abrufbar unter www.bmelv.de