Berlin, 03.04.2025. Anlässlich der Übergabe von über 60.000 Unterschriften für eine konsequente Regulierung neuer Gentechniken (NGT) an den Vorsitzenden der Volkspartei-Fraktion im Europaparlament, Manfred Weber (CSU) unterstreicht Tina Andres, Vorstandsvorsitzende des Bio-Spitzenverbands Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW):
„Die in kurzer Zeit eingesammelten über 60.000 Unterschriften der auch vom BÖLW und seinen Mitgliedern unterstützten Aktion „Kein Freiflug für Gentechnik“ sind ein weiteres starkes Signal der Verbraucherinnen und Verbraucher, dass sie auch künftig selbst entscheiden wollen, ob Gentechnik auf ihre Teller kommt oder nicht.
Das Europaparlament hatte sich schon vor der Europawahl für eine durchgängige Kennzeichnung für alle NGT-Pflanzen und daraus hergestellte Produkte vom Acker bis zum Ladenregal ausgesprochen. Diese Position muss jetzt in den Verhandlungen mit der EU-Kommission und dem Rat der EU-Mitgliedstaaten durchgesetzt werden. Hier kommt der größten Fraktion im Parlament, der Europäischen Volkspartei (EVP) und deren Vorsitzenden Manfred Weber eine zentrale Rolle zu, zumal die EVP-Abgeordnete Jessica Polfjärd (Schweden) für das Parlament die Verhandlungen führen wird. In den letzten Tagen gab es dazu widersprüchliche Aussagen aus der Union: während die bayerische CSU-Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber auf Presseanfrage ihre ausdrückliche Unterstützung für eine lückenlose Kennzeichnung betont, sprachen sich ihre CDU-Kolleginnen und Kollegen aus anderen Bundesländern bei der Agrarministerkonferenz in der letzten Woche explizit gegen eine Kennzeichnung aus. Die Union und ihre Abgeordneten im Europaparlament müssen jetzt dringend klären, ob sie den Bürgerinnen und Bürgern gegen deren erklärten Willen Gentechnik-Produkte unterjubeln wollen oder ob sie den Namen „Volkspartei“ ernst nehmen und der in vielen Umfragen bestätigten Forderung der überwältigenden Mehrheit der Bevölkerung nach einer NGT-Kennzeichnung nachkommen.
Zusätzlich zur Kennzeichnung braucht es klare Regeln, die allen ökologisch wirtschaftenden Höfen und Unternehmen auch künftig eine Lebensmittelerzeugung ohne Einsatz von Gentechnik ermöglichen. Bisher haben sich Kommission, Rat und Parlament zwar erfreulich klar für eine ökologische Züchtung, Lebensmittelerzeugung und -verarbeitung ohne Gentechnik ausgesprochen. Konkrete Maßnahmen, mit denen das ohne zusätzlichen Aufwand für Bio-Akteure umgesetzt werden kann, liegen bisher aber nicht auf dem Tisch – hier muss dringend nachgebessert werden!“