16. Warum sind Bio-Lebensmittel teurer? Öko-Lebensmittel sind ihren Preis wert

Öko-Lebensmittel sind in der Regel teurer als konventionell erzeugte Lebensmittel, da der Aufwand ihrer Erzeugung, Verarbeitung und Verteilung größer ist. Vergleicht man die Preise von Öko-Lebensmitteln aber mit den Preisen von konventionellen Premium-Marken, dann ergeben sich nur geringe Unterschiede. Während Produkte aus konventioneller Landwirtschaft höhere negative externe Umwelt-Kosten verursachen, haben Öko-Lebensmittel eindeutige Vorzüge hinsichtlich der umweltgerechten Erzeugung und Lebensmittelsicherheit.

Öko-Landwirtschaft ist aufwändiger

Der Mehrpreis von Öko-Produkten gegenüber dem Durchschnitt konventioneller Produkte ist u. a. dadurch bedingt, dass höhere Produktionskosten durch die Anwendung arbeitsaufwändigerer Verfahren (» Frage 10) und die Anforderungen einer tiergerechten und umweltschonenden Tierhaltung (» Frage 11) entstehen. Gleichzeitig sind die Erträge pro ha Land bzw. die Leistungen, wie z. B. die Milchleistung pro Kuh, geringer, zumal ein Teil der Flächen nicht dem Anbau von Verkaufsfrüchten, sondern bspw. von Leguminosen zur Stickstoffgewinnung dient (» Frage 9). Darüber hinaus erfordern die ökologischen Verfahrensweisen des Pflanzenbaus und der Tierhaltung meist ein höheres fachspezifisches Know-how als in der konventionellen Landwirtschaft [1; 2].

Öko-Verarbeitung ist anspruchsvoller

In der ökologischen Lebensmittelwirtschaft ist nur ein geringer Anteil der in der konventionellen Lebensmittelverarbeitung eingesetzten Zusatzstoffe erlaubt und es werden schonende Verfahren eingesetzt [2] (» Frage 14]). Die Verarbeitung zu qualitativ besonders hochwertigen Öko-Produkten verlangt deshalb handwerkliches Geschick und ist sowohl zeit- als auch kostenintensiv. In dem eher klein strukturierten Öko-Verarbeitungssektor und bei relativ geringen Verarbeitungsmengen sind die Stückkosten pro Einheit relativ hoch. So wirken sich zum Beispiel vergleichsweise große Entfernungen zwischen Milch erzeugenden Landwirtschaftsbetrieben und den wenigen Öko-Molkereien in höheren Transportkosten aus, die bis zu 2,4 Cent pro kg Rohmilch im Vergleich zu konventioneller Milch betragen [3].

Öko-Handel ist kleinteiliger und setzt geringere Mengen um

Über ein Drittel aller Öko-Produkte wird in Naturkostläden und Reformhäusern verkauft [4]. Diese Geschäfte zeichnen sich gegenüber dem normalen Lebensmitteleinzelhandel durch intensiven Service und Beratung aus, was sich im Preis bemerkbar machen muss. Außerdem ist die Belieferung kleiner Fachge-
schäfte mit zusätzlichen Kosten verbunden. Da der Umsatz von Öko-Lebensmitteln mit rund 4 % Anteil am deutschen Lebensmittelmarkt insgesamt noch vergleichsweise gering ist, sind die Logistik- und Absatzkosten der Produkte höher als bei konventionellen Produkten und erfordern deshalb Preisaufschläge [5].

Öko-Produkte werden streng kontrolliert

Im Preis von Öko-Produkten sind auch die Kosten für die Kontrolle auf Einhaltung der speziellen Qualitätsrichtlinien und Anbau- bzw. Verarbeitungsvorschriften enthalten (» Frage 5). Öko-Lebensmittel werden auf ihrem Weg vom Landwirtschaftsbetrieb bis ins Lebensmittelgeschäft auf die Einhaltung der Richtlinien der EG-Öko-Verordnung sowie ggf. der Öko-Verbände überprüft. Um sicherzustellen, dass ökologisch gekennzeichnete Lebensmittel nicht mit konventionellen Produkten verwechselt werden können, werden unverpackte heimische sowie importierte Öko-Produkte getrennt von konventionellen Produkten gelagert, verarbeitet und transportiert [2].

Der Preis als Kaufbarriere bei Öko-Produkten

Der höhere Preis von Öko-Lebensmitteln im Vergleich zu konventionellen Lebensmitteln ist also wohlbegründet. Dennoch stellt er für viele (Noch-)Nicht-Öko-Konsumenten eine Barriere beim Kauf dieser Produkte dar. Laut Verbraucherbefragungen der vergangenen Jahre ist die Mehrzahlungsbereitschaft für Lebensmittel in ökologischer Qualität gegenüber solchen in konventioneller Qualität gering und beträgt 10 bis 20 % [z. B. 6; 7; 8]. Derartige Befragungs-ergebnisse sind allerdings vor dem Hintergrund zu betrachten, dass die konkrete Preiskenntnis vieler Verbraucher gering ist. Selbst bestehende Öko-Käufer verschätzen sich durchschnittlich um 20 % beim Preis von Öko-Lebensmitteln [9]. Ihre Bereitschaft, für Öko-Lebensmittel mehr als die erwarteten Ladenpreise zu zahlen, fällt mit durchschnittlich 45 % deutlich höher aus als bisher angenommen. Dass Öko-Produkte überwiegend auch dann noch gekauft werden, wenn sie teurer sind, als ursprünglich maximal dafür bezahlt werden sollte, lässt folgenden Schluss zu: Bei Verbrauchern, die sich bereits grundsätzlich für den Einkauf von Öko-Lebensmitteln entschieden haben, tritt die Bedeutung von Preisen gegenüber dem „Mehr-Wert“ von Öko-Lebensmitteln in den Hintergrund.

Vergleichbares Preisniveau von Öko-Produkten und Premium-Produkten

Der Mehrpreis von Öko-Produkten gegenüber konventionellen Produkten variiert je nach Vergleichsbasis erheblich. Werden etwa die in der Tabelle angeführten Produkte in Öko-Qualität in Relation zu den 25 % preisgünstigsten Marken der entsprechenden konventionellen Produkte gesetzt, ergeben sich Mehrpreise für zwölf häufig gekaufte Lebensmittel von + 71 bis + 354 %. Bezogen auf die 25 % teuersten konventionellen Marken bewegt sich der Mehrpreis von Öko-Produkten jedoch zwischen -20 und + 29 %. In diesem Fall sind einige Öko-Produkte wie Milch, Früchtemüsli, Spaghetti, Marmelade und Apfelsaft sogar billiger als der Durchschnitt der konventionell hergestellten Premium-Produkte, während Fruchtjoghurt, Möhrensaft, Rosinen, Ketchup, Butter und Mehl teurer sind [10].

Öko-Lebensmittel geben den "tatsächlichen" Preis besser wieder

Bei der Bewertung der unterschiedlichen Preisniveaus konventioneller und ökologischer Lebensmittel sind zudem die sogenannten externen Kosten zu berücksichtigen. Diese entstehen durch die Einrechnung negativer Auswirkungen der intensiven landwirtschaftlichen Produktion auf die Umwelt. So werden etwa die Folgekosten der Nitrat- und Pestizidbelastung von Gewässern und Trinkwasser an den Steuerzahler und den Wasserkunden weitergegeben – die Konsumenten zahlen so indirekt viel mehr für die vermeintlich billigen Produkte [11]. In der ökologischen Landwirtschaft sind die negativen externen Effekte geringer. Darüber hinaus werden auch positive externe Effekte erzeugt, z. B. in Form einer höheren Artenvielfalt [12; 13]. Bewertet man die geringere Umweltbelastung bei ökologisch erzeugten Lebensmitteln geldlich, wird die Preisdifferenz beim Erzeugerpreis beispielsweise für Schweinefleisch halbiert [14]. Müssten also die Umweltkosten von den Verursachern getragen werden, dann wäre der Preisabstand zwischen konventionellen und ökologischen Produkten deutlich geringer.

Sinkende Preise und Marktdifferenzierung

Die aktuellen Entwicklungen auf dem Öko-Markt sorgen für sinkende Preise bei Öko-Produkten. Da der Absatz durch den Verkauf in Discountern und die zunehmende Zahl von Bio-Supermärkten steigt, können vor allem im Handel Kosten gespart werden. Gleichzeitig führt diese Entwicklung auch zu einer Qualitäts- und Preisdifferenzierung bei Öko-Lebensmitteln. Dennoch wird ein Öko-Produkt immer teurer bleiben, solange die Umweltkosten nicht internalisiert werden. Höhere Erzeugungs-, Verarbeitungs- und Kontrollkosten werden zunächst weiter bezahlt werden müssen. Qualität hat auch bei Lebensmitteln ihren Preis!

Quellen, weiterführende Literatur und Links:

[1] Neuerburg, W. und Padel, S. (1992): Organisch-biologischer Landbau in der Praxis. BLV Verlagsgesellschaft mbH, München.

[2] EG-Öko-Basisverordnung (EG) Nr. 834/2007 und Folgerecht. Aktuelle Fassung z. B. unter www.bmelv.de

[3] Burchardi, H. und Thiele, H. D. (2004): Verbesserung der Vermarktungsmöglichkeiten ökologischer Produkte entlang der Wertschöpfungskette – Handlungsempfehlungen auf Basis eines Vergleichs der Kosten der Verarbeitung und Vermarktung konventionell und ökologisch erzeugter Milch und Molkereiprodukte. Institut für Ökonomie der Ernährungswirtschaft, Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel, Standort Kiel; www.orgprints.org

[4] AMI (2010): Ökomarkt-Service. Ausgabe 08/2010 vom 25.02.2010.

[5] Goessler, R. (Hrsg.) (2004): Strukturen der Nachfrage nach ökologischen Lebensmitteln in Deutschland. Band 53, ZMP – Zentrale Markt- und Preisberichtstelle GmbH, Bonn.

[6] Bruhn, M. (2003): Die Entwicklung der Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln unter besonderer Berücksichtigung des Nitrofen-Geschehens und der Einführung des staatlichen Bio-Siegels. Arbeitsbericht Nr. 21 des Lehrstuhls für Agrarmarketing, Kiel, www.orgprints.org/1637/

[7] ZMP – Zentrale Markt- und Preisberichtstelle für Erzeugnisse der Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft GmbH (2002): Wie viel Bio wollen die Deutschen? Marktstudie Nr. K221, Bonn, www.orgprints.org/1086/

[8] Spiller, A., Plaßmann, S. und Hamm, U. (2009): Preispolitik. In: Leitzmann, C. et al. (Hrsg.): Praxishandbuch Bio-Lebensmittel, 19. Aktualisierungsauflage (11/2009), Behr’s Verlag, Hamburg, Kap. VI-4.

[9] Plaßmann-Weidauer, S. (2011): Die Bedeutung des Preises beim Kauf von Öko-Lebensmitteln – Preiskenntnis und Zahlungsbereitschaft bei Öko-Konsumenten. Verlag Dr. Kovac, Hamburg.

[10] Hamm, U., Aschemann, J. und Riefer, A. (2007): Sind die hohen Preise für Öko-Lebensmittel wirklich das zentrale Problem für den Absatz? In: Berichte über Landwirtschaft, Sonderdruck, Bd. 85, Heft 2, S. 252–271.

[11] Waibel, H. und Fleischer, G. (1998): Kosten und Nutzen des chemischen Pflanzenschutzes in der deutschen Landwirtschaft aus gesamtwirtschaftlicher Sicht. Wissenschaftsverlag Vauk Verlag KG, Kiel.

[12] Köpke, U. (2002): Umweltleistungen des ökologischen Landbaus. In: Ökologie und Landbau 122, 2/2002, S. 6–18.

[13] Dabbert, S., Häring, A. M. und Zanoli, R. (2002): Politik für den Öko-Landbau. Ulmer Verlag, Stuttgart.

[14] Korbun, T. et al. (2004): Was kostet ein Schnitzel wirklich? Ökologisch-ökonomischer Vergleich der konventionellen Produktion von Schweinefleisch in Deutschland. Schriftenreihe des IÖW, 171/04, Berlin.